Die Geschichte der Städtischen Kunstsammlung Darmstadt

Das Institut Mathildenhöhe Darmstadt betreut, verwaltet und erweitert kontinuierlich die vielseitige Kunstsammlung der Stadt Darmstadt. Der Kernbestand der rund 20.000 Werke spannt einen Bogen von der Romantik bis zur zeitgenössischen Kunst und umfasst Ölgemälde, Aquarelle, Pastelle, Zeichnungen, Radierungen, Lithografien, Plastiken, Skulpturen, Kunsthandwerk, Möbelensembles, Architekturmodelle, Fotografien, Videofilme und Installationen.

Grundstein für die Städtische Kunstsammlung Darmstadt war das Stadtmuseum, welches 1909 eröffnet wurde. Im Stadtmuseum wurden Objekte präsentiert, welche die Geschichte der Stadt Darmstadt und ihrer Bürgerschaft illustrieren konnten. Gezeigt wurden Alltagsgegenstände, Kunsthandwerk und Mobiliar ergänzt durch historische Dokumente wie Urkunden. Ab 1917 erwarb die Stadtverwaltung außerdem Gemälde von Darmstädter Künstlern für die Ausstattung von Amtsräumen.
Bereits länger diskutierte Pläne zur öffentlichen Präsentation der in städtischem Besitz befindlichen Kunstwerke wurden schließlich im Jahr 1937 auf Initiative des Malers und Kunstprofessors Adolf Beyer (1869-1953) realisiert. Im städtischen Ausstellungsgebäude auf der Mathildenhöhe, das bereits 1908 nach Plänen von Joseph Maria Olbrich (1867-1908) errichtet worden war, fand 1937  eine öffentliche Präsentation von Gemälden, Skulpturen, Zeichnungen und Graphik aus dem Besitz der Stadt Darmstadt statt. Leihgaben aus dem Hessischen Landesmuseum in Darmstadt sowie aus Privatbesitz ergänzten die Ausstellung. Sie war von nun ab an mehreren Tagen in der Woche dauerhaft für Besucher zugänglich.
Die Einrichtung dieser, erstmals ständigen, Ausstellung der Städtischen Kunstsammlung Darmstadt fand zur Zeit der NS-Herrschaft statt und war eng verbunden mit der Person Adolf Beyers. Beyer war seit Ende des 19. Jahrhunderts eine äußerst einflussreiche Persönlichkeit des Darmstädter Kunst- und Kulturlebens. Er stand für ein traditionell-konservatives Kunstverständnis und war erklärter Gegner der künstlerischen Avantgarde der Weimarer Republik. Beyer fand Gefallen an der nationalsozialistischen Bewegung und trat der NSDAP bei. Als Ratsherr gestaltete er die NS-Kulturpolitik in Darmstadt aktiv mit. Im Zuge der ab 1936 neu zu gestaltenden Präsentation der Städtischen Kunstsammlung Darmstadt auf der Mathildenhöhe, sorgte Beyer für eine Aussonderung derjenigen Werke, die in der NS-Ideologie als „entartet“ verfemt wurden. Darunter befanden sich Gemälde bedeutender Expressionisten, die seither teilweise als verschollen gelten. So wurden u.a. die Werke „Die Kurve“ von Ernst Ludwig Kirchner (1880-1938) und „Rettungsboot“ von Max Pechstein (1881-1955) ausgesondert. Die Gemäldesammlung der Stadt Darmstadt wurde unter Beyer jedoch auch durch verschiedene Erwerbungen erweitert. So fiel der 1941 erfolgte Ankauf des „Frühlingssturm“ Ludwig von Hofmanns (1861-1945) in die Ära Beyers. Als sich 2015 herausstellte, dass es sich dabei um einen unrechtmäßigen Erwerb vor dem Hintergrund der NS-Verfolgung gehandelt hatte, wurde das Gemälde von der Wissenschaftsstadt Darmstadt an die Erben restituiert. Das Gemälde konnte eindeutig der bedeutenden Kunstsammlung des Berliner Verlegers und Kunstmäzens Rudolf Mosse (1843-1920) zugeordnet werden, die 1934 unter Federführung der Nationalsoziallisten im Zuge einer „Verwertung“ versteigert wurde.
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges bemühte sich die Stadt Darmstadt, ihre Kunstsammlung weiter auszubauen und Sammlungslücken zu schließen. Zahlreiche Kunstwerke wurden seit den 1950er Jahren bis in die jüngste Vergangenheit für die Städtische Kunstsammlung Darmstadt angekauft. Ein Sammlungsschwerpunkt war dabei schon seit der Gründung die Darmstädter Malerei seit 1800. Mit der Eröffnung des Museum Künstlerkolonie im Jahr 1990 kam als weiterer Sammlungsschwerpunkt die Kunst und das Kunsthandwerk des Jugendstils hinzu. Auch nimmt die zeitgenössische Kunst seit jeher einen bedeutenden Platz in der Sammlung ein. Präsentiert werden die Werke aus der Städtischen Kunstsammlung Darmstadt derzeit im Museum Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe, im Hessischen Landesmuseum Darmstadt sowie als Leihgaben in verschiedenen nationalen und internationalen Sonderausstellungen.

© Institut Mathildenhöhe Darmstadt, Dezember 2017