Der Frühlingssturm: Ein Hauptwerk des Jugendstils mit bewegter Geschichte

Der Frühlingssturm: Ein Hauptwerk des Jugendstils mit bewegter Geschichte

Der 1894/95 in Rom entstandene Frühlingssturm ist nicht nur ein herausragendes Gemälde im Œuvre des Darmstädter Künstlers Ludwig von Hofmann (1861–1945), sondern gilt auch als ein Hauptwerk des Jugendstils. Ein Blick auf die Provenienz, also die Herkunft des Gemäldes, offenbart die bewegte Geschichte dieses Kunstwerks, das bereits 1899 in der Kunsthalle Darmstadt in Darmstadt ausgestellt wurde.

Sammlung Rudolf Mosse
Das Gemälde Frühlingssturm stammt aus der berühmten Kunstsammlung des Verlegers Rudolf Mosse (1843-1920). Mosse war ein äußerst erfolgreicher Unternehmer, großzügiger Mäzen und Philanthrop in Berlin. Seit den 1880er Jahren begann er mit dem Aufbau einer umfangreichen Kunstsammlung, welche als „Mosseum“ bekannt wurde und ab 1909 öffentlich zugänglich war. Präsentiert wurde die Sammlung im „Mosse-Palais“, einem prächtigen Gebäude am Leipziger Platz in Berlin (1945 zerstört). Das Gemälde Frühlingssturm hatte seinen Platz im Musiksaal des Palais und erschien in den 1908, 1915 und 1921 publizierten Sammlungskatalogen der Kunstsammlung Rudolf Mosse.

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Rudolf Mosse (1843 - 1920), Fotograf: unbekannt, © Leo Baeck Institut New York / Berlin

 

Erwerbungsgeschichte des Frühlingssturm

Die Stadtverwaltung Darmstadt veranstaltete vom 4. Oktober bis 23. November 1941 im Ausstellungsgebäude auf der Mathildenhöhe eine Jubiläumsausstellung zu Ehren des Künstlers Ludwig von Hofmann. Dort wurde der Frühlingssturm als Leihgabe aus Privatbesitz ausgestellt. Im Anschluss erwarb die Stadt Darmstadt das Gemälde am 15. Dezember 1941 aus den Händen des Flugkapitäns a.D. Johannes Trapp (Lebensdaten unbekannt) aus Berlin/Baden-Baden.

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Katalog der Jubiläums-Ausstellung für Ludwig von Hofmann auf der Mathildenhöhe 1941, Foto: Institut Mathildenhöhe Darmstadt

 

Raubkunstverdacht und Restitution

Im Mai 2014 stellten die Erben nach Rudolf Mosse an das Institut Mathildenhöhe Darmstadt ein Restitutionsersuchen für den Frühlingssturm. Bis 1933 hatte sich das Gemälde in Familienbesitz befunden. Nach der Machtübernahme der NSDAP mussten die Angehörigen des 1920 verstorbenen Rudolf Mosse wegen ihrer jüdischen Herkunft aus Deutschland fliehen. Die von ihnen zurückgelassene Kunstsammlung wurde größtenteils 1934 beim Auktionshaus Lepke in Berlin versteigert. Unter den dort angebotenen Werken war auch der Frühlingssturm. Zunächst erwarb es Prof. Dr. Arthur Bankwitz (Lebensdaten unbekannt). Doch wohl schon Ende 1934 oder Anfang 1935 ging es in den Besitz von Johannes Trapp über. Dieser versuchte den Frühlingssturm wiederum seit 1938 zu veräußern. Dies gelang offenbar erst im Dezember 1941 mit dem Verkauf des Gemäldes an die Stadt Darmstadt. Die Versteigerung des Frühlingssturm im Jahr 1934 stand unzweifelhaft im Zusammenhang mit der nationalsozialistischen Judenverfolgung und muss darum als unrechtmäßig angesehen werden. Aus diesem Grund wurde das Gemälde von der Wissenschaftsstadt Darmstadt 2015 an die rechtmäßigen Erben restituiert.

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Etikett der Stadt Darmstadt aus dem Jahr 1941, welches bei der Inventarisierung des Frühlingsturm auf die Gemälderückseite aufgebracht wurde, Foto: Institut Mathildenhöhe Darmstadt

 

Rückkehr des Frühlingssturm ins Museum Künstlerkolonie Darmstadt

Die Erben nach Rudolf Mosse entschieden sich nach der Restitution des Frühlingssturm dafür, das Gemälde in das ein Berliner Auktionshaus Grisebach zu geben. Eine Privatsammlung konnte das Gemälde jedoch vor der Auktion erwerben und stellte es der Stadt Darmstadt großzügig als unbefristete Dauerleihgabe zur Verfügung.  Seit Juni 2016 befindet sich der Frühlingssturm wieder im Museum Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe.

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Ludwig von Hofmann, Frühlingssturm, 1894/1895, Foto: Gregor Schuster